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Letzte Woche haben wir darüber berichtet, dass bei jeder elektronischen Zahlung per sofortüberweisung.de verschiedenste Informationen über das zur Zahlung benutzte Bankkonto ausgelesen werden. Heute schauen wir uns das komplette Gegenteil an: Eine elektronische Bezahlmethode, die überhaupt nichts ausliest – weil man als Kunde dafür nicht einmal ein Bankkonto benötigt.

barzahlen.de ist seit Mitte 2011 aktiv und laut den Gründern aus folgender Beobachtung heraus entstanden: Viele Kaufabbrüche im Online-Handel finden statt, wenn eine Bezahlmethode ausgewählt werden muss. So etwas passiert im Realwelt-Einzelhandel selten – sobald der Kunde entschieden hat, ein Produkt zu kaufen, entscheidet er sich an der Kasse nicht um, weil er sein Portemonnaie herausholen muss.

Wie könnte man also den gewohnten Vorgang des Barzahlens mit E-Commerce verbinden? Das funktioniert folgendermaßen: Nach der Online-Bestellung erhält der Kunde einen Zahlschein zum Ausdrucken, oder alternativ einen Code auf sein Smartphone. Mit diesem kann er den Betrag aus dem Online-Shop bei seinem nächsten Einkauf bei einem der Zahl-Partner von barzahlen.de einfach an der Kasse mit Bargeld bezahlen. Zahl-Partner sind aktuell vor allem Drogeriemärkte, beim Konkurrent barpay sind es in erster Linie Tankstellen.

Nach der Zahlung an der Kasse sendet der Zahl-Partner eine sofortige Zahlungsbestätigung an den Online-Shop, und die Ware kann verschickt werden. Laut eigenen Angaben wird barzahlen.de aktuell in rund 7500 Shops eingesetzt und kooperiert mit den Drogerien dm und real, weiterhin mit allen Telekom-Shops, mobilcom debitel sowie BUDNI.

Barzahlen – ein Relikt aus vergangenen Zeiten?

Ein Kommentar, den man häufig im Netz liest, lautet: Wozu sollte man sich den Aufwand machen, den Schein zu drucken und in einem Geschäft bar zu zahlen, wenn man das auch mit ein paar Klicks per PayPal oder Banküberweisung erledigen kann?

Dieser Einwand ist vollkommen berechtigt für jeden, der Online-Banking, PayPal oder ähnliche Zahlungsmethoden nutzt und sich über deren Vor- und Nachteile im Klaren ist. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, denen folgende Aspekte wichtiger sind:

  • sowohl barzahlen.de als auch der Online-Shop haben keine Möglichkeit, zahlungsrelevante Daten von mir zu erfassen (z.B. Kreditkartendaten, Kontostand etc.)
  • man kann den Dienst ohne Online-Banking nutzen
  • der Online-Shop bzw. die gekauften Artikel tauchen nicht im Kontoauszug auf

Dasselbe gilt für Rückgaben: Sobald der Online-Händler die zurückgegebenen Artikel erhalten hat, kann er dem Kunden einen Rückzahl-Schein schicken, der wiederum an der Kasse eines Zahl-Partner ausgezahlt wird.

 

Auf dem Land leider noch problematisch

Wem die oben genannten Vorteile wichtig sind, stößt nur auf einen echten Nachteil von barzahlen.de: Im Gegensatz zu Städten ist die Abdeckung mit Zahl-Partnern in ländlichen Regionen eher dürftig. Zwar kooperiert barzahlen.de aktuell mit fünf Partnern, die insgesamt über 3400 Filialen verfügen – trotzdem kann die nächste Filiale auf dem Land 30 – 50 km entfernt sein.

Auf der anderen Seite darf man davon ausgehen, dass sich die Abdeckung in den kommenden Jahren verbessern wird, auch vor dem Hintergrund, dass die Firma mit der Alternative Strategic Investment GmbH einen starken Investor im Rücken hat.

 

Fazit

Wir halten das Konzept hinter barzahlen.de (nebst dem Konkurrenten barpay) für eine sehr attraktive Bezahlmethode in Online-Shops. Die Integration kann Kaufabbrüche verhindern beziehungsweise Menschen zum Kauf in einem Online-Shop animieren, die ohne diese Möglichkeit nicht zu Kunden geworden wären. Vor allem auf Privatsphäre bedachte Kunden sowie solche ohne Online-Banking finden hier eine bequeme Option, die Zahlungen aus dem Online-Shop zusammen mit den wöchentlichen Einkäufen zu erledigen. Der einzige Wermutstropfen ist die Abdeckung in ländlichen Gebieten, die sich aber voraussichtlich verbessern wird.